Bitte stör mich

Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, München

  • EA 2017
    EA 2017, Film und Video
  • Platin
    Platin

Jurybegründung

Mit seinem Film thematisiert das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege eine Krankheit, die mit einem Tabu belegt ist: die Depression. Der kurze Film spielt auf einzigartige Weise mit verschiedensten Bildern, besticht aber letztendlich vor allem durch seine poetische Sprache. Die gefürchtete Krankheit der Seele ist mutig in Szene gesetzt. Die visuellen und akustischen Impressionen vermitteln feinsinnig Emotionen und lassen wohl kaum jemanden unberührt.

In Deutschland leiden 4,1 Millionen Menschen an Depressionen. Da es sich hierbei immerhin um 5,2 Prozent der Bevölkerung handelt, werden Depressionen oft als Volkskrankheit bezeichnet. Trotzdem wird über dieses wichtige Thema aus Scham noch immer geschwiegen. Das führt dazu, dass sich das erlebte Leid der Betroffenen und Angehörigen noch zusätzlich erhöht. Aus diesem Grund hat das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege eine vorbildliche Kampagne entwickelt, die das wichtige Thema für jeden zugänglich macht.

Herzstück der Kampagne ist der Film Bitte stör mich, für den eigens ein Poetry-Slam entwickelt wurde. Der ergreifendste Text des Poesiewettbewerbs gab dem Clip die passende Stimme: Bitte stör mich, und wenn mein Schweigen zu laut wird, dann hör mich … So beginnen die poetischen Zeilen, dazu sieht der Zuschauer die Aufnahmen eines Mannes, der mit den Fingerknöcheln gegen eine Tür klopft . Die Stimme des Poetry-Slammers und das Türklopfen verschwimmen zu einem gemeinsamen pulsierenden Rhythmus. „Poetry-Slams vermitteln mit wenigen, aber bedeutungsvollen Worten emotionale Botschaften auf moderne Art und Weise und finden so einen Zugang auch zu schwierigen Inhalten, ohne abschreckend zu wirken“, erklärt Volker Brand vom Bayerischen Gesundheitsministerium. Der Zuschauer sieht einen Kopf, oben geöffnet wie ein Pokal. Zwei Hände heben daraus eine Pflanze hervor: Ich brauche jemanden zum Gedankenumtopfen, fährt der Poetry-Slammer fort. Die nächste Einstellung zeigt eine Frau mit einem bunten Traumfänger auf dem Kopf: Ich brauche jemanden zum Gedankenumtopfen und Gärtenumträumen, zum Handhalten und Armdrücken, bitte stör mich und bleibe, spricht die Stimme weiter. Surreale Bilder kombiniert mit eindringlichen Zeilen. Die Szenen zeigen kahle Wände in grau-blaues Licht der Depression gehüllt.

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege will aufklären, und dafür emotionalisiert es so sensibel wie fantasievoll. „Menschen, die von einer Depression – einer nicht sichtbaren Erkrankung – betroffen sind, leiden zusätzlich darunter, dass ihr Umfeld die Krankheit nicht ernst nimmt“, erläutert Anja Sprotte von der Agentur brandarena. „Unser Ziel war es, eindringlich zu vermitteln, wie stark eine Depression die Betroffenen belastet, dass es aber auch Auswege gibt.“ Wird eine Depression rechtzeitig erkannt, gibt es inzwischen zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten. Diese Kernaussagen setzt Bitte stör mich auf bewegende Weise in Szene, obwohl der Clip gerade einmal 35 Sekunden lang ist.

Eine Frau steht in einer großen Halle, in einem Säulengang, durch die Fenster fällt Licht. Dazu dichtet die Stimme: Bitte stör mich und bleibe, vielleicht wird aus Enge dann Weite. Und aus Falltüren Brücken und aus Elefanten wieder Mücken. Mitten im Nichts steht eine Tür, die krachend umfällt und dann zwischen Hausdächern eine Brücke bildet für einen einsamen Mann. Komm, um meine Gedankenschiffe zu versenken, fordert der Poetry-Text. Dazu ein Kopf halb unter einer Wasseroberfläche versunken, und das Rauschen des Meers ist hörbar. Komm und störe und bitte sei leise, so laut, dass ich mich selbst wieder höre, flüstert der Poetry-Slammer eindringlich. Eine Tür geht auf.

Die Dramaturgie entwickelt aus wundersamen Bildern, dem sanften Rhythmus der Stimme und den akustischen Klängen einen einzigartigen Flow. Die visuellen Eindrücke und die Poesie des Slammers machen einfühlsam nachvollziehbar, was es bedeutet, in einer Depression zu stecken. Und gleichzeitig rufen sie das Umfeld depressiver Menschen ausdrücklich auf: Lasst die Erkrankten nicht alleine, sondern „stört“ sie bewusst. Denn sie sollen sich mit ihrer Depression auseinandersetzten.

Bitte stör mich war vor allem online, im Kino und auf Veranstaltungen zu sehen und wendet sich an alle in Bayern lebenden Erwachsenen. Die überragende Leistung des Films ist es, eine Krankheit, die zumeist mit Schweigen bedacht wird, auf eine einzigartige Weise hörbar zu machen. Und das Thema Depression, das eng mit Scham verbunden ist und deshalb meist mit Wegsehen bedacht wird, auf sensible Weise sichtbar zu machen. „Uns geht es um ein offen sein, aufmerksam sein, eine Kultur des Hinschauens. Unser Spot ist ein Anstoß, um einen bewussteren Umgang mit einer bestimmten Problematik zu initiieren“, erklärt Franziska Steingraber vom Bayerischen Gesundheitsministerium.

Webadresse: www.bitte-stoer-mich.de
Länge: 35 sec
Technisches Format: Online - Einbindung DVD/CD geht zusätzlich per Post zu
Interaktivität/Menüpunkte: Start
Sprachen: deutsch
Vertriebskanäle: Online, Social Media, Radio, Kino, Veranstaltung

Auftraggeber

Unternehmen (Auftraggeber): Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege -, München
Webadresse: www.stmgp.bayern.de
Branche: Staatsministerium
Anzahl Standorte (national): 1
Mitarbeiter (national): Mehr als 100

Staatsministerin für Gesundheit und Pflege: Melanie Huml
StMGP: Leitung Öffentlichkeitsarbeit: Volker Brand
brandarena: Etatdirektion: Marc Hörhammer
brandarena: Kreation: Anja Sprotte

Kreation

Konzeption: brandarena, Ismaning
Konzeption (Regisseur): Oliver Mohr
Produktion (Film, Funk, etc.): brandarena, Ismaning
Produktion: Serious Fox (Johannes Hutner und Michael Retzer)

Projektteam

brandarena
Münchener Straße 101c
85737 Ismaning
Deutschland
T
+49 89 99277-440

Weitere Beiträge

Mein Freiraum. Meine Gesundheit. In jedem Alter

Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege, München