Ein Ort der Begegnung

Mit dem Kieler Weltraum sollte ein Ort geschaffen werden, an dem Kieler und Kielerinnen zusammenkommen, Kunst und Kultur erleben und gleichzeitig in Kontakt mit Geflüchteten treten können. Dr. Bernhard Zünkeler, Geschäftsführer Orange Council GmbH, Kurator von Kunstprojekten, erklärt die Hintergründe und Entstehung des Projektes, das eine ungewöhnliche Aktionsgemeinschaft zusammenbrachte.

EF: Ein gemeinnütziges Projekt und eine Kommunikationsagentur – wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Dr. Bernhard Zünkeler: Die Kieler Künstlerin mit indischen Wurzeln Lavanya Boesten hatte bereits Kontakt zur Stadt Kiel und dort eine Kreativ-Kleiderkammer als Alternative zu den bestehenden Altkleider-Flüchtlings-Verteilstationen entwickelt und ausgeführt. Auf ihre Initiative hin kam dann die Verbindung zur Stadt Kiel und auch den beteiligten Organisationen DRK und AWO zur Ausgestaltung einer Begegnungsstätte zwischen Bürgern und Flüchtlingen zu Stande.

Da Orange Council bereits mehrfach Workshops und andere gemeinnützige oder gesellschaftsrelevante Aktionen mitorganisiert hat, war die kleine Hilfe in diesem Fall ein No-brainer. Normalerweise würden wir solche Aktionen auch nicht bei Award-Einreichungen publik machen. Da im Rahmen von Flüchtlingseinrichtungen aber viel Negatives berichtet wurde, wollten wir die Chance nicht ungenutzt lassen, diesem ausgesprochen positiven Projekt ein Forum zu geben. Danke dafür! Hoffentlich finden viele solcher Aktionen Nachahmer und fördern ganz eigene Initiativen.

Megaphon Award in Bronze (Promotion/Aktivitäten)

KIELER WELTRAUM

Landeshauptstadt Kiel, AWO, DRK, Kiel

  • Bronze

Welche Bedürfnisse sollten die räumlichen Inszenierungen erfüllen? Gab es eine Aufgabenstellung?  
Die Aufgabenstellung wurde gemeinsam entwickelt. Dabei war es eine erhebliche Herausforderung, die unterschiedlichsten Interessen vor Ort von ehrenamtlichen Helfern, Hauptamtlichen Trägern, Stadtvertretern, Anwohnern und Bewohnern der Einrichtung aus verschiedensten Ländern zusammenzubringen. Der Raum und der dafür entwickelte mehrtägige Workshop sollte inspirieren und Menschen zusammenbringen. Das ist gelungen. Eine Art Künstler-Einrichtungsselbsthilfe mit kreativen Mitteln.

Letztlich muss man sagen, dass viele Punkte aber nicht adressiert werden konnten. Vor allem die Nachhaltigkeit eines solchen Projektes mit beschränkten Mitteln ist sicherlich eine Herausforderung. Dennoch sind wir froh, einen kleinen Startfunken gezündet zu haben, der sich hoffentlich weiterträgt und der zumindest in den Herzen der Künstler, die an dem Projekt beteiligt waren, auch heute noch nachklingt.

Kreativität zu nutzen um Menschen zu verbinden ist ein starkes Statement. Kreativität ist Ausdruck von Persönlichkeit, der Kieler Weltraum schafft einen gemeinsamen Ort.

Kristina Weng, Chief Executive Officer bei TBWA\ Düsseldorf

Welche monetären wie auch physischen Mittel standen für die Umsetzung zur Verfügung und wie wurden diese beschafft?
Die Stadt Kiel hat ein nicht ausschreibungspflichtiges Grundbudget gestiftet, um kurzfristig Basis-Material besorgen zu können. Gleichzeitig war es eine besondere Erfahrung für die beteiligten ehrenamtlichen Künstler in der Einrichtung zu übernachten und im Grunde mit den Flüchtlingsfamilien wohnen zu dürfen. Eine Art Kost und Logis Support der ungewöhnlichen Art, weil sehr viel Nähe aufkam. Auf diese Weise musste kein Budget für Übernachtungen und Verpflegung für Externe verbraucht werden. Das haben die Trägereinrichtungen DRK und AWO zusammen mit viel Herzblut der Mitarbeiter vor Ort beigesteuert. Transportkosten, Krankosten oder Kunstbedarf wurden von weiteren Sponsoren bestritten. Es war eine gemeinsame Anstrengung, die mit viel Fantasie unterfüttert wurde, um zu verblüffenden Ideen zu kommen. Dazu gehörten letztlich auch empfehlende Praktikazeugnisse von Orange Council an all die Einwohner, die engagiert mitgearbeitet haben. Manches kann etwas wert sein, ohne dass es im monetären Sinn viel kosten muss.

Was hat Sie in Hinblick auf die Resonanz zu der Arbeit am meisten überrascht?
Eigentlich war die gesamte Erfahrung unbeschreiblich. Ein echtes Geschenk! Anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Anfangs waren die Reaktionen mehr als skeptisch, aber wie sich die Beteiligung während des Projektes gesteigert hat, war wunderschön mitanzusehen. Der Spaß, den die Kinder zur „Baustelle“ mitbrachten war eh großartig. Aber dass es am Ende gelungen ist, so unterschiedliche Personen, mit derart verschiedenen persönlichen Schicksalen und Erfahrungen an einem solchen ehemals militärischen Ort auf positive Weise miteinander feiern und tanzen zu lassen, hat mich schon überrascht.

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