Sag's mir ins Gesicht

Hasskommentare sind ein bekanntes Problem der Sozialen Medien. Um die Verfasser solcher Kommentare aus ihrer Online-Anonymität zu locken und einen offenen Dialog zu ermöglichen, luden die Moderatoren der tagesschau.de zu einem offenen Gespräch per Videoanruf ein. Jan Köpke, Creative Director der Agentur LA RED, gibt Einblick in die Hintergründe der Aktion "Sag's mir ins Gesicht".

EF: Wie lautete die Aufgabenstellung, mit der die ARD auf Sie zugekommen ist?
Jan Köpke: Die Tagesschau, die von ARD-aktuell produziert wird, ist Deutschlands renommierteste Nachrichtensendung mit einem reichhaltigen Online-Angebot. Allerdings wird die Tagesschau im Fernsehen vor allem von älteren Zuschauern gesehen. Wir wollten beweisen, dass die Tagesschau auch für ein jüngeres Publikum eine wichtige Rolle spielen kann. Deshalb haben wir uns ein Thema vorgenommen, das im Hauptmedium der jüngeren Zielgruppen allgegenwärtig ist: Hass im Netz. Mit „Sag’s mir ins Gesicht“ wollten wir die Diskussionskultur im Internet verbessern und ein Zeichen gegen den zunehmenden Hass setzen.

Archivbeiträge

ARD-aktuell, tagesschau.de "Sag's mir ins Gesicht"

Norddeutscher Rundfunk, Hamburg

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War Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die Moderatoren bereit waren in persönlichen Kontakt mit den „Hatern“ zu treten?
Nein, wir konnten relativ schnell die Moderatoren von „Sag’s mir ins Gesicht“ überzeugen. Alle drei hatten schon zahlreiche Erfahrungen mit Anfeindungen im Netz gemacht. Deshalb waren sie gerne bereit, die Hater, die sich in der Anonymität des Internets verstecken, direkt herauszufordern. Allerdings standen sowohl die Moderatoren als auch das gesamte Team vor den Livesendungen unter Spannung; denn wir wussten nicht, was uns da so entgegenschießen würde.

"Eine besonders zeitgemäße und mutige Kampagne. Da stellen sich die Journalisten von der ARD, die sonst immer die ganzen Hater-Kommentare übers Web bekommen und unter der Gürtellinie beschimpft werden, dort hin und setzen sich direkt mit den Leuten auseinander, die diese Beschimpfungen machen. Einfach ein innovativer Ansatz, der genau zur richtigen Zeit kam." 

Fränzi Kühne, Mitgründerin und Geschäftsführerin der Agentur für Digital Business, Torben, Lucie und die gelbe Gefahr

Was hat Sie an den Gesprächen zwischen Moderatoren und „Hatern“ überrascht?
Überrascht hat uns, dass der Ton im direkten Gespräch ziemlich friedlich und gesittet war. Es ist eben etwas anderes, wenn einem plötzlich ein Mensch von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzt, als alleine vor seinem Rechner zu sitzen. 

ARD, Gespräch mit Hatern

Gab es eine Nachwirkung zu der Aktion? Gehen die Moderatoren nach dem persönlichen Kontakt mit den „Hatern“ anders mit Hasskommentaren um?
Die Nachwirkung der Aktion war zum einen eine breite Debatte darüber, was Hass im Netz ist, was er bezweckt und wie man ihm begegnen kann. Zum anderen hat das Social-Media-Team der ARD das Format „Sag’s mir ins Gesicht“ noch mehrfach eingesetzt, um sich den Kritikern zu stellen und sie zu konfrontieren. So gesehen hat sich auch der Umgang der Moderatoren mit Hass im Netz geändert, denn es gibt ein Format, in dem sie sich diesen Pöbeleien und Beleidigungen stellen können. Interessanterweise hat das Format auch bei Millennials, also den jüngeren Zielgruppen eine enorm positive Wirkung gehabt: Es gab jede Menge Zustimmung und Unterstützung.

 

Im Wettbewerb der Megaphon Awards 2018 ausgezeichnet mit Gold in der Kategorie Digitale Medien (Social-Media-Aktivitäten).

 

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