Ulm Stories

Eine interaktive, virtuelle Zeitreise durch Ulm im Jahre 1890 wurde von der Interactive Media Foundation mit VR-Technologie möglich gemacht. Besucher konnten über das alte Ulm hinwegfliegen und dabei den "Stimmen des Münsters" lauschen – ein voll immersives Erlebnis. Ina Krüger, Creative Director der Agentur Interactive Media Foundation, berichtet im Interview über die Rekonstruktion einer ganzen Stadt in Virtual Reality.

EF: Was macht Virtual Reality zum richtigen Medium für diese Arbeit?
Ina Krüger: Wir haben das Multiplattformprojekt „Ulm Stories – Geschichten einer Stadt“ von Beginn an unter dem Motto „Vergangenheit trifft Zukunft“ konzipiert und entwickelt. Das heißt, wir machten uns zunächst einmal auf die Suche nach den herausragenden Persönlichkeiten und Ereignissen der Ulmer Stadtgeschichte, sind dabei natürlich schnell einerseits auf das Thema Fliegen gestoßen, das bereits mit dem Flugpionier Berblinger und dem Ulmer Spatz historisch stark vertreten ist, und andererseits auf das Ulmer Münster, das buchstäblich herausragende Bauwerk der Stadt mit dem heute noch höchsten Kirchturm der Welt. Wir wollten den Traum vom Fliegen in Ulm endlich für ein breites Publikum ermöglichen. Virtual Reality in Verbindung mit dem Ganzkörper-Flugsimulator Birdly lässt Sie frei wie ein Vogel um das Münster und durch die Gassen der Ulmer Altstadt fliegen – ein unvergleichliches, emotionales Erlebnis, das sich in keinem anderen Medium so immersiv und authentisch erreichen lässt. Wir wollten etwas Spektakuläres. Und das ist spektakulär. Schließlich geht es nicht nur um das freie Fliegen, sondern auch um eine Reise zurück in die Vergangenheit, in das Ulm des Jahres 1890. Spektakulär und in dieser Kombination für Birdly in Europa einzigartig.

Archivbeiträge

Ulm Stories - Geschichten einer Stadt

n.r., n.r.

  • Bronze

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?
Zunächst musste eine umfassende Recherche sicherstellen, dass wir das Ulmer Münster und die Altstadt historisch korrekt und so detailreich und authentisch wie möglich in 3-D umsetzen können. Darüber hinaus mussten die 3-D-Designer, Entwickler und IT-Spezialisten in jeder Phase der Umsetzung die optimale Balance zwischen Echtzeit-Performance, künstlerischem Anspruch und realistischer Detailtreue bei gleichzeitigem freiem Flugverhalten finden. Und auch das ist spektakulär gelungen. Circa 2.000 historische Gebäude und mehr als 6.000 weitere Objekte wie Bäume, Tiere und andere historische Ausstattungsgegenstände bezeugen dies. Und schließlich galt es, die Nutzer vollkommen frei und intuitiv in dieses Erlebnis eintauchen zu lassen – eine echte Herausforderung an die Nutzerführung, die wir mittels sinnvoller, natürlicher Begrenzung des Flugareals und dem smarten Einsatz des binauralen 3-D-Sounds lösen konnten. So locken nun beispielsweise Chorgeräusche und Glockengeläut des Münsters die Fliegenden immer wieder näher an das Münster heran, sollten sie sich allzu sehr in der Peripherie der Altstadt verfliegen.

Ulm Stories

Gab es technische Herausforderungen?
Tatsächlich gab es jede Menge technischer Herausforderungen, schließlich ist „Ulm Stories – der Traum vom Fliegen“ ein virtuelles Echtzeiterlebnis. Von Anfang musste in der Umsetzungsphase immer wieder getestet werden, um die optimale Balance zwischen flüssiger Echtzeit-Performance, optimalem Detailgrad und atmosphärischer Ausgestaltung der virtuellen Welt zu finden. Gerade das Ulmer Münster ist ein sehr detailreiches Bauwerk, das die 3-D-Artisten sehr zeitintensiv auf die optimale Polygonanzahl in 3-D bringen mussten, um die optimale Echtzeit-Performance beim Fliegen gewährleisten zu können. Auch dies ist spektakulär gut gelungen, sodass nicht der Eindruck entsteht, das Gebäude wäre nicht realistisch ausmodelliert. 

"Dreidimensional erzählt eine Gratis-App vom höchsten Kirchturm der Welt und dem Münster. Dreidimensional ist auch die virtuell nachgebildete Stadt des 19. Jahrhunderts, die man selbst fliegend erkunden kann. Eindrucksvoll möglich macht dies der Schweizer Simulator Birdly (von Somniac), ein Fluggerät mit manuell zu bewegenden Flügeln und Gegenwind. So hatte sich das einst der als ‚Schneider von Ulm‘ verspottete Flugpionier Albrecht Berblinger vorgestellt." 

Peter Heinlein, freier Autor, Moderator und Kommunikationsberater

Was hat Sie in Hinblick auf die Resonanz zu der Arbeit am meisten überrascht?
Die Begeisterung geht durch alle Altersklassen. Nahezu alle, die einmal fliegen, wollen das gleich noch einmal wiederholen. Und jeder entwickelt seinen eigenen Flugstil, mal wild und abenteuerlich durch die Altstadtgassen brausen, mal genussvoll aus der Höhe den Blick über die Dächer und rund um das Münster schweifen lassen. Egal welcher Stil, spektakulär beeindruckend finden es am Ende immer alle. Und bisher gab es auch noch keine ausgesprochene „Fehlerkritik“, also auch die historische Authentizität ist gelungen!

 

Im Wettbewerb der Megaphon Awards 2018 ausgezeichnet mit Bronze in der Kategorie Innovation.

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